Karfreitag: Auf Wiedersehen Niedersachsen – Moin Hessen. (22)

Für Dieter kann sich kaum etwas schöneres vorstellen, als seine Modellhubschrauber fliegen zu lassen. Nicht nur – aber auch an Karfreitag:

Dieses Hobby ist äußerst teuer erklärt er, bevor er für mich eine private Flugshow veranstaltet. Das kleinere Modell kostet 1.500,- EUR – mehr also, als ich damals für meinen Volvo bezahlt habe:

Das größere Modell kostet noch einmal 500,- EUR mehr. Es sagt mir besonders zu. Nicht nur, weil ich dem Militär gegenüber keine besondere Sympathie empfinden kann, sondern auch, weil sich das Hubschraubermodell sogar auf dem Kopf, durch die Lüfte bewegen kann.

Wir stehen wir zwei kleine Jungs nebeneinander und freuen uns darüber, mit welcher enormen Kraft und Geschwindigkeit der Hubschrauber sich vom Boden in die Lüfte erhebt.

Irgendwann biegt ein Streifenwagen der Polizei in den Feldweg ein. Dieters Freude darüber hält sich in Grenzen. Ich beginne einige Fotos zu machen. Weil ich den Rucksack dabei aufhabe, muss es witzig aussehen. Die Beamten freuen sich, als sie vorbeifahren. Ich habe nichts anderes erwartet, ehrlich gesagt. Es ist Feiertag. Heute ist nicht viel los. Da freut man sich doch, wenn man ein paar Menschen sieht, die Spaß am Leben haben.

Ich wünsche Dieter frohe Ostern, simse ihm noch die Adresse des Blogs und setze meine Reise fort. Über Brücken:

An Wasserläufen vorbei:

Über Wanderwege:

An viel, viel Holz vorbei.

Kurz nachdem ich an diesem Steinhaus vorbeikomme, treffe ich ein Seniorenpärchen – Mann und Frau sind jeweils um die 80 Jahre alt. Wir gehen gemeinsam ein Stück: „Wir kennen eine junge Frau aus Glückstadt.“ Hinterher stellt sich aber raus, dass die besagte Dame doch aus Glücksburg kommt. Das wäre ein Zufall gewesen. Es macht Spaß gemeinsam unterwegs zu sein. Wir unterhalten uns so angeregt, dass ich völlig vergessen habe, die beiden zu fotografieren. „Unser Sohn ist Fotograf, sagt die Frau. Er würde sich bestimmt für die Tour interessieren.“ Weil ich gerade keinen Stift und Zettel zur Hand habe, schlage ich vor, dass sich die Dame das Wort „Glückstadt“ merkt und der Herr das Wort „Blog“. So kann sich der Sohn anschauen, was ich auf meiner Reise erlebt habe und noch erleben werde. Bevor sich unsere Wege trennen, bekomme ich eine Abkürzung empfohlen.: Laufen Sie Querfeld ein, immer dem Trampelpfad hinterher, dann kommen Sie schneller ans Ziel. „Von dort oben siehst du bei gutem Wetter die Zugspitze“, sagt der Herr. Seine Gemahlin lacht und meint: „Lassen Sie sich nicht veralbern. Es gibt dort einen Tunnel und gelegentlich fährt dort ein Zug durch.“ Der Senior trocken: „Sage ich doch, Zugspitze.“

Lug ins Land – ein traumhafter Ausblick:

Nach einigen Abwärtskilometern, passiere ich schließlich die Weser und lasse Niedersachsen hinter mir. Moin, moin, Hessen:

Ich bedauere etwas, dass mir die Feiertage in die Quere kommen. Zu gerne hätte ich einen Zwischenstopp im Rathaus Bad Karlshafen eingelegt, um im ersten Rathaus in Hessen Glückwünsche für Glückstadt einzusammeln:

Doch es soll nicht sein.

Weiter geht die Tour:

Links lang. Und dann geht es wieder steil bergauf. Ich schnaufe, wie eine Lokomotive. Vorbei an Burgruinen:

An Freilandhühnern:

Und Störchen:

An Ponys:

Immer weiter voran:

Als ich dieses Schild sehe, sind es immer noch knapp 3 Kilometer. Ich musste einen riesigen Umweg in Kauf nehmen. Ich spüre jeden einzelnen Knochen und Muskelfaser. Aber es nützt nichts. Weiter geht’s. Die besondere Herausforderung. Die Straße ist gesperrt und wird neu gemacht. Es riecht teerig, nach frischem Straßenbelag. Und ich springe hin und her zwischen Sandhaufen und Metallmatten. Beides belastet die heute extrem strapazierten Füße:

Aber hey, habe ich mir ja selbst ausgesucht. Eine letzte Höhe, die ich noch überwinden muss. Dann krieche ich fast auf allen Vieren in die Gastronomie:

Lächeln geht heute nicht mehr so richtig. Out of order. Job is done. Und dennoch

Herzliche Grüße aus Trendelburg

Marian

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