Irgendwo im Nirgendwo. Zum Zweiten. (32)

Ich glaube, so früh, wie heute Morgen habe ich bisher noch kein Zimmer geräumt. Um 20 nach Acht stehe ich gesattelt und gespornt vor der Zimmertür, schließe diese ab und mache mich die paar hundert Meter auf den Weg zur Kneipe. Das Frühstück wartet.

Heute Nacht hat mich Robert angeschrieben. Ein Lehrer, der in der Schneverdinger Zeitung davon gelesen hat, dass ich Glückstadt bekannt machen möchte. Wollt ihr den Dialog mal lesen? Na klar wollt ihr ihn lesen. Bitte schön:

Das Frühstück in der Kneipe ist nicht das Ergiebigste, aber es reicht aus, um den vorläufigen Energiebedarf zu decken. Der Wirt ist sehr neugierig und wir kommen ins Gespräch. Er selbst ist bereits seit 20 Jahren im Geschäft, hatte vor vielen Jahren auch eine Landwirtschaft betrieben, diese aber mittlerweile aufgegeben. Er ist beeindruckt, von den vielen Kilometern, die ich schon hinter mich gebracht habe und natürlich auch von denen, die noch vor mir liegen.

Während  ich speise und wir uns unterhalten, lade ich mein Handy auf, das seltsamerweise in der Nacht nicht ganz voll geworden ist. Gegen 09.30 Uhr bin ich fertig zum Aufbruch. Nur noch bezahlen und los. 31 EUR sollen es zusammen mit dem Abendessen sein. Ok. Ich möchte mit Karte bezahlen. „Gibt es nicht.“ Oha. Geldautomat? 6 Kilometer von hier in Homburg Ohm selbst. Ok, ich überweise den Betrag sofort. Upps. Kein Netz. Also warten wir auf Frau Wirtin. Die etwa anderthalb Stunden später zurückkehrt. Ich muss sagen, es war eine kurzweilige Wartezeit. Ich erfahre, dass Maulbach etwa 500 Einwohner hat. Und weiß nun auch, dass man hier Traktoren kaufen kann:

Aber modernes Bezahlen und Telekommunikation stehen in Maulbach nicht an erster Stelle. Schließlich kann ich an den Rechner der Chefin. Ich überweise den offenen Betrag und erfahre, dass die Kneipe vor vielen Jahren mal ein Postgebäude war, in dem sie selbst auch mal gearbeitet hat. Ich bookmarke noch den Blog auf dem Rechner, sodass die Wirtsleute meine Reise mitverfolgen können und mache mich auf den Weg. Heute geht es weiter nach Hungen. Habe ich ebenfalls gerade am Chefinnen-Rechner recherchiert und mir wurde telefonisch übers Festnetz ein Einzelzimmer zugesichert. Ich solle aber bitte daran denken, dass Montag Ruhetag ist und weil keine Gastronomie geöffnet hat, mich mit Lebensmitteln für heute Abend eindecken. „Sie kümmern sich ja rührend um mich, sage ich. Ich fühle mich jetzt schon zuhause.“ Wir lachen und ich mache mich auf den Weg.

Auf meinem Weg aus der 500-Seelengemeinde, werde ich ein Stück von wolligen Gesellen begleitet:

Heute habe ich eine ganz schöne Tour vor mir,  muss ich sagen: 29 Kilometer bis nach Hungen. Es geht über Stock und über Stein. Am freilaufenden Mensch vorbei:

Und an Mücke:

Am Jakobsweg vorbei:

Und an Lauter:

Immer weiter in Richtung Frankfurt. Als ich schließlich am Landhotel Nonnenroth ankomme, spüre ich kaum meine Füße noch. Und ich habe ein Problem. Vor etwa 5 Kilometern hielt ich Ausschau, nach einem Supermarkt. Die beiden Läden, an denen ich vorbeikam, hatten gerade Mittagspause. Und bei 29 Kilometer am Tag habe ich keine Zeit zu verlieren. Ein Radfahrer lachte und meinte, Montag ist kein guter Tag, um Hunger zu haben. Hier gibt es leider nichts in der Gegend. In 6 bis zehn Kilometer wieder.

Oh, oh. Was mache ich nun bloß? Als ich über einen Code, den ich eingebe, meinen Schlüssel bekomme und das Hotel betrete, sehe ich frisches Obst – für morgen zum Frühstück und Brot. Also muss ich nicht ohne vorher gegessen haben ins Bett denke ich. Ich stelle meinen Rucksack in der oberen Etage ab, dusche zunächst mal und mache mich auf den Weg, essbares zu finden. Als ich in der Küche Musik vernehme. Ich klopfe an und siehe da – der Chef ist zuhause. Im wahrsten Sinne des Wortes. Bernd May wohnt ebenfalls hier. Ich erkläre ihm meine Situation und er fragt mich, ob er mir ein Omelett machen soll. Ja, gerne. Wir kommen ins Gespräch und er erzählt, dass er eigentlich mal als Programmierer gearbeitet hat und dann das Hotel als Familienbetrieb vorgesehen war. Leider hätte es privat alles nicht so hingehauen. Heute arbeitet er in Hungen, ein paar Kilometer weiter in der Buchhaltung und seine Mitarbeiterin kümmert sich um den Laden. Heute aber kümmert sich Bernd um mein Abendessen. Meine Dankbarkeit mündet darin, dass er einen Platz auf der Sponsorenliste erhält.

Ich wünsche auch euch einen angenehmen Abend und bis morgen.

Herzliche Grüße aus Hungen

Marian

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