32 Kilometer nach Frankfurt: Wie man Pressemitteilungen schreibt. (35)

Heute erreiche ich Frankfurt – das war mein erster Gedanke als ich heute Morgen wach werde. Auch wenn mein Körper nur schwer in Wallung kommt – ich bewege mich, wie ein Rentner – habe ich das Ziel vor Augen.

Als ich im Frühstücksraum ankomme, sitzt ein Seniorenpärchen da. Ich wünsche ihnen einen angenehmen Tag und fühle mich körperlich gesehen in bester Gesellschaft. Sie scheinen gerade fertig gewesen zu sein. Die Pillendöschen klappern und die Dame bewegt sich auf die Gastwirtin zu. Ich versuche nicht zuzuhören, aber das gelingt nur sehr schwer. Das Wort Arzt fällt etwa 30 Mal, das Wort „Spritzen“ mindestens ein Dutzend Mal. Nicht falsch verstehen, das Pärchen ist sympathisch. Man merkt aber auch, dass ihnen die sozialen Kontakte fehlen und ich bewundere die Gastwirtin für ihre Geduld und Dialogfähigkeit. Früher habe ich mir mal vorstellen können, eine eigene Gastronomie zu bewirtschaften. Aber ich glaube, das wäre nichts für mich. Nun gut, das Frühstück ist beendet. Es war lecker, die Nachtruhe hat mir gut getan. Wer mal in der Nähe von Frankfurt unterwegs ist und eine Übernachtungsmöglichkeit sucht, kann es im Wetteraukreis auf jeden Fall mal im Hotel Bayerischer Hof probieren.

Einige organisatorische Dinge sind noch zu regeln und schließlich setze ich mich gegen 12 Uhr Mittag in Bewegung. Ich bewege mich noch immer ziemlich langsam und bin gespannt, wie ich die 32 Kilometer heute bewältige, bzw. wann ich in Frankfurt ankommen werde.  Friedberg, der Nachbarort von Bad Nauheim birgt historische Schätze. Unter anderem eine tolle Burganlage:

Ein Ort, den ich mir gerne auf die Agenda nehme und zu einem späteren Zeitpunkt hier noch einmal vorbeischauen möchte. Für alle, die nicht so lange warten wollen, gibt es bei Wikipedia einige Infos dazu.

Aufgrund mangelnder Zeit spare ich mir den Weg ins anderthalb Kilometer entfernte Rathaus in Bad Nauheim,  mit dessen Rückweg ich 35 Kilometer überwinden müsste. Eine Strecke, die mir deutlich zu viel erscheint.

Mein Weg kreuzt aber den Sitz des Wetteraukreises. Blick auf die Zeit – etwa 13 Uhr. Na, los Marian, rein in die gute Stube, denke ich mir. Als ich mit meinem Riesenrucksack das Gebäude betrete, werde ich argwöhnisch beäugt. Ich ziehe meinen Glückstadt-Pulli an und begebe mich auf die Suche nach dem Landrat, der Joachim Arnold heißt. Soviel weiß ich bereits. Treppauf, treppab, nachgefragt – aha anderes Gebäude. Nun gut. Etwa 10 Minuten später stehe ich im 6. OG. und werde höflich hereingebeten, nachdem ich mich über die Klingel bemerkbar gemacht habe.

Landrat Arnold hat ein äußerst freundliches Team. Ich darf warten, bekomme einen Kaffee gereicht und einer der Kollegen erzählt mir, dass er selbst jeden Tag fast 20 Kilometer mit dem Fahrrad radelt – zur Arbeit hin und zurück. „Bei Wind und Wetter“, fügt seine Kollegin hinzu. Vor Jahren ist er 2.000 Kilometer bis nach Russland gefahren. Das finde ich beeindruckend.

Schließlich erreicht Joachim Arnold den Empfangsbereich. Ich stelle mich ihm vor, erzähle, über meine Ambition und ernte zustimmende Blicke. Jochim Arnold wandert selbst gerne, ist ein Fan der Region und trägt sich gerne ins Glückstädter Glückwunschbuch ein.

Während er schreibt, werfe ich einen Blick aus dem Büro des Landrats. Ein schöner Arbeitsplatz, finde ich.

Herr Arnold lässt es sich nicht nehmen, auch etwas Werbung für den Wetteraukreis zu machen und klebt nachdem er seine Grußworte beendet hat, auch Werbematerial ins Buch ein.

Was dann folgt, ist klar. Es muss mal wieder ein Pressefoto entstehen:

Sieht doch super aus. Die Aufnahme entsteht vor einem Bild der Wetterau, dem Fluss, dem der Kreis seinen Namen verdankt.

Ich übermittle die Pressemitteilung an die Wetterauer Zeitung und setze mich in Bewegung. Gleich, wenn ich unterwegs bin, erzähle ich euch noch, worauf es ankommt, wenn man ein Thema in die Zeitung bringen möchte.

Als ich Friedberg verlasse, komme ich an dieser Installation vorbei. Im Wetteraumuseum scheint es einige Fundstücke für Elvis-Fans zugeben. Für mich geht es an dieser Stelle erst einmal nicht weiter:

Ich schaue auf die Uhr. Die Zeit läuft und es gibt laut Navi auch keine ordentliche Alternative. Ich laufe ein Stück zurück, irre rechts vom Zaun auf einem Feld herum und treffe am Zaun schließlich einen Bauarbeiter. Er erklärt mir, den Weg. Erleichterung.

 

Eine Genugtuung: Autos von rechts überholen:

Ok, zurück zur Pressemitteilung. Was ist wichtig? Wenn ihr für euer Unternehmen oder euren Verein oder für euch selbst Beiträge in Zeitungen platzieren möchtet, dann müsst ihr in erster Linie bedenken, dass die Journalisten heutzutage sehr wenig Zeit haben, um den Input zu verarbeiten. Deswegen solltet ihr sparsam mit den Informationen umgehen. Wenig aber auf den Punkt. Beschreibt, um was es geht. Wer daran beteiligt ist. Erklärt den Grund. Wann und wo ist wichtig. Vergesst eure Kontaktdaten nicht und übermittelt ein Foto. Kurz und knapp.

Ich zeige euch mal, wie ich, die Pressemitteilung für die Wetterauer Zeitung aufbereitet habe:

Liebes Redaktions-Team, 

am 22. März bin ich in Glückstadt (nordwestlich von Hamburg) aufgebrochen, um zu Fuß von dort aus nach Freudenstadt im Schwarzwald zu spazieren und lege dabei eine Wegstrecke von etwa 700 km zurück. Das ist mein Geschenk zum 400. Geburtstag an die Stadt Glückstadt. 
Meine ehemalige Mitbewerberin und jetzige Bürgermeisterin Manja Biel kam auf die Idee, mir ein Glückwunschbuch mit auf die Reise zu geben, in dem sich Bürgermeister und Personen des öffentlichen Lebens verewigen können, mit ihren Gratulationen für unsere Stadt. Das Buch findet seinen festen Platz im Rathaus, wenn ich zurück bin. Das würde Stadtgründer Christian IV., dem dänischen König, sicher gefallen. Schließlich war Glückstadt zu Großem bestimmt und sollte zu Gründungszeiten dem aufstrebenden Hamburg etwas entgegensetzen. Hat nicht geklappt. Heute leben in Glückstadt 11.500 Einwohner. 
Ich traf unter anderem auch Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok, der sich im Buch verewigte und in Kassel OB Hilgen. Heute trägt Landrat Herr Joachim Arnold seine Glückwünsche ein. Foto(s) anbei. 
Über Berichterstattung würde ich mich freuen. 
Weitere Infos dazu auf www.glueckstadt.blog
Für weitere Infos stehe ich Ihnen gerne telefonisch zur Verfügung: 0157.78212620
Beste Grüße 
Marian Prill
P.S. Jetzt geht es weiter in Richtung Frankfurt, 32km heute. 
Das Versenden der PM (Pressemitteilung) ist das Eine. Das Andere ist, dafür zu sorgen, dass sie auch berücksichtigt wird. Deswegen ruft in den Redaktionen an. Manche Zeitungsredaktionen veröffentlichen ihre Kontaktdaten nur spärlich. Dann meldet euch beim Verlag in der Zentrale und lasst euch durchstellen. Meistens landet ihr dann in der Zentrale der Publikation. Lasst euch von dort noch einmal in die verantwortliche Redaktion weiterverbinden. Dann landet ihr meistens im Sekretariat. Stellt euch kurz vor und fragt, ob eure Meldung die Redaktion erreicht hat. Manchmal landet man im Spamordner. Für diesen Fall einfach eine andere Mailadresse nutzen. Wenn Ihr positives Licht bekommt, dann gebt telefonisch noch einmal durch, dass Ihr für Rückfragen telefonisch zur Verfügung steht. Manchmal macht es auch Sinn zu fragen, ob der Redakteur, der für diese Geschichte verantwortlich sein könnte, Zeit hat, um kurz zu sprechen. Typische Konferenzen beginnen bei der Zeitung immer etwa um 11 Uhr. Es macht also Sinn abends die Meldungen zu senden. Dann werden sie am nächsten Tag besprochen. Und könnten am Folgetag oder am darauffolgenden Tag berücksichtigt werden. Am Samstag arbeiten die meisten Journalisten nicht. Am Sonntag hat aber immer mindestens ein Redakteur Wochenenddienst und kümmert sich um die Montagsausgabe. Am Freitag ist es schwierig, jemanden ans Telefon zu bekommen. Da brennt die Luft und alle stehen unter Dampf. Montag und Dienstag sind in der Regel ruhigere Tage. 14/15 Uhr sind gute Zeiten, um nen Redakteur an die Strippe zu bekommen. Wenn jemand diesbezüglich mal Fragen haben sollte, fragt im Kommentarbereich oder schreibt mir einfach eine Mail an marian@glueckstadt.blog. Ansonsten viel Erfolg bei euren eigenen Projekten.
Ich konzentriere mich wieder auf die Straße und erkenne hinten am Horizont Frankfurt. Noch immer sind es knapp 20 Kilometer Fußweg bis ans heutige Ziel. Doch ich bin positiv geladen und guter Dinge.
Es geht querfeldein.
Upps, Google Maps hat’s mal wieder nicht besser gewusst. Und zurück. (Aber mal Hand aufs Herz. Auch wenn einige Wege nicht (mehr) existieren, die Google mir angezeigt hat. Ohne diese Navigation, wäre die Reise in dieser Form nicht möglich gewesen. Also danke an Google Maps. Man soll ja auch mal zufrieden sein und nicht immer nur rummeckern, nicht wahr? 🙂
Es ist 20.16 Uhr. Das Ortseingangsschild habe ich erreicht. Es fängt an dämmrig zu werden. Und es sind noch immer fast 8 Kilometer und zwei Stunden, bis ich das Ziel erreiche. 
Ich bin gerührt. Fünf Wochen und einen Tag bin ich zu Fuß unterwegs. Und habe es tatsächlich geschafft, in Frankfurt anzukommen. Ein großartiges Gefühl. Danke an meine Füße, dass ihr mich so tapfer tragt.
Das letzte Bild, kurz vor der Ankunft im Hotel National in Bahnhofsnähe. Ich fühle mich fantastisch und bin sehr glücklich. Trotz Aussetzer in Hungen, habe ich noch eine realistische Chance, am morgigen Freitag, den Oberbürgermeister von Frankfurt, Peter Feldmann zu treffen.
Nun aber steht zunächst ein Vollbad an. Und zwei Portionen Hüttenkäse + zwei Bananen. Das Abendbrot um 22.31 Uhr.
Ich wünsche euch allen eine gute Nacht und sende
Herzliche  Grüße aus Frankfurt
Marian

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